
Pfingsten: Aufblühen!
Es gibt eine berührende Szene im Alten Testament. Der Prophet Elia ist vollkommen ausgebrannt. Er hat sich jahrelang mit all seinem (Über-)Eifer für Gottes Sache eingesetzt. Und doch wollte niemand auf ihn hören. Jeglicher Kraft beraubt, verfällt der erschöpfte Prophet in einen todähnlichen Schlaf. Da berührt ihn sanft ein Engel – beharrlich, bis Elia die Augen aufschlägt. «Iss und trink», ermuntert ihn der Engel, «denn dein Weg ist noch weit». Das Wasser und das Brot, das der Engel neben sein Gesicht gestellt hat, lassen etwas Leben in seine Seele und seinen Körper zurückkehren. Er rafft sich auf und geht seines Weges. Und da geschieht das, wonach er sich so verzehrend gesehnt hat: Gott selbst kommt ihm entgegen: «Und ein grosser, starker Wind, der die Felsen zerbrach, kam vor dem Herrn her; der Herr aber war nicht im Wind. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der Herr war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der Herr war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen.» Gott kam nicht mit Pauken und Trompeten, sondern als feiner, belebender Lufthauch. Die Geschichte erscheint wie die Blaupause zu unserem Pfingstfest. In der Pfingstgeschichte treffen wir auch auf hoffnungslose, gebrochene Jünger. Jesus ist in den Himmel gefahren und also nicht mehr bei ihnen – woher sollen sie den Mut und die Kraft nehmen, weiterzumachen? Da werden sie, wie Elia, von einem Windhauch berührt. Er erfüllt ihre Lungen und Seelen mit neuer, frischer Kraft. Sie wissen: Gott ist nicht tot. Er bleibt hier, für immer. Er zeigt sich in Form von Hoffnung, Stärkung und Wegweisung – in Form dessen, was wir «Heiliger Geist» nennen. Florence Develey