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Mischeli Forum: Wenn Glaubenswelten aufeinander prallen

Fr 17. Mai; 15:00 - 17:00

“Meine Kuh lasse ich null grasen”, so erzählte mir im ländlichen Uganda ein Bauer des Bagandavolkes. Ich schaute verdutzt. Und was frisst sie dann? Eben, antwortete er freundlich, ich lasse sie null grasen, sonst wird sie mir gestohlen! Ich blieb verdutzt stehen.

Später fragte ich meinen guten ugandesischen Freund. Er runzelte seine Stirne.

“Das ist ein ungelöstes Problem”, begann er. “Die lokalen Bauern wollen auch Kühe halten, nicht nur Feldbau betreiben. Aber die Hirten des Karamodschong-Volkes haben in ihrer Religion fest verankert, dass die Feldfrüchte für alle andern Völker, das Rindvieh aber von Gott ausschliesslich für sie geschaffen wurde. Sie tragen sehr gut Sorge für ihre Tiere. Aber wenn sie bei einem Baganda eine Kuh sehen, nehmen sie diese mit, denn für sie gehört die Kuh dort nicht hin!”

“Und was hat das mit null grasen zu tun?” fragte ich schüchtern.

“Der Bauer bindet die Kuh mit einem Strick an einen Pfosten in Sichtweite seiner Hütte, dann sieht er, wenn jemand sie losbindet.”

“Aber bitte: null grasen?!”

“Ach”, lachte er, “die Kuh frisst dann einfach um den Pfahl herum eine runde Null aus dem Gras heraus!”

“Doch die Rindviehfrage beschäftigt immer wieder Polizei und Gerichte”, fuhr er fort, “es gab sogar Morde an Bauern, die bei den Hirten ihre Kühe wieder holen wollten, Hirten sind bewaffnet und meist zu zweit, sie berufen sich hartnäckig auf ihre Religion, beide Völker misstrauen sich, und Händel sind an der Tagesordnung.”

Die Begebenheit um die Kuh ist ein gutes Beispiel für unsere Herausforderungen im heutigen Leben. Uns prägen im religiösen und kulturellen Bereich unterschiedliche Identitäten. Wo sie aufeinandertreffen, entstehen Spannungen. Mit diesen umzugehen, sie zu beherrschen oder zu bewältigen, das sollen und müssen wir lernen.

Was passiert alles in diesem weiten, wilden Bereich – eine eher heitere und lösende Umschau.

Mein eigenes Arbeiten und Leben im „Multikulti-Bereich“ – meine Frau Liliane wuchs als christliche Libanesin im mehrheitlich islamischen Schwarzafrika auf – hat unsere Tätigkeit als Pfarrehepaar befruchtet. Wir kamen in Kontakt mit allen denkbaren religiösen und kulturellen Eigenarten und Eigenheiten – und was daraus wird, wenn diese aufeinandertreffen.

[Bildnachweis: Beirut – Abend am Strand. Andere Kleidung – andere Religion – andere Gebote und Verbote. Das Ziel: Allseitig Freiraum und Respekt. Foto von EMS/Waiblinger]

Details

Datum:
Fr 17. Mai
Zeit:
15:00 - 17:00
Veranstaltungskategorien:
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Veranstalter

Pfarrer Jost Keller

Veranstaltungsort

Grosser Saal Reformiertes Zentrum Mischeli
Bruderholzstrasse 39
Reinach, BL 4153 Schweiz
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Telefon:
+41 61 711 44 76
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