Die Bedeutung des Weihnachtssterns

«Welche Aufgabe erfüllt der Stern in der Weihnachtsgeschichte?» Diese Frage habe ich in der letzten Woche zufällig ausgewählten Personen gestellt: Besucherinnen unseres Bistros Glöggli, Freunden, Konfirmandinnen. Als Pfarrerin ist man geneigt zu glauben, die meisten Menschen lebten genauso mit den biblischen Erzählungen wie man selbst. Dass dem nicht so ist, haben mir die verschiedenen Antworten gezeigt. «Der Stern ist die Dekoration des Krippendachs» oder «Der Stern war am Himmel, um Maria und Josef den Weg nach Jerusalem (!) zu weisen». Aber auch: «Der Stern war ein Geschenk für Jesus» und «Der Weihnachtsstern ist einfach schön, darum findet man ihn bei jeder aufgestellten Weihnachtskrippe. Ohne ihn würde etwas fehlen.»

Tatsache ist, dass der «Stern von Bethlehem» in der Erzählung der Geburt von Jesus nicht vorkommt (Lukasevangelium 2, 1-20 und Matthäusevangelium 1, 18-25). Er tritt erst auf, als die drei Weisen das Neugeborene besuchen und es als neuen König ehren wollen.

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. … Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.

Matthäus 2,1

Der Stern ist das himmlische Zeichen, dass eine neue Ära angebrochen ist. Mit dem Eingehen Jesu in die Welt übernimmt die Liebe das Szepter. Es ist die Anziehungskraft der Liebe, die Menschen aus der ganzen Welt wachrief, sich aufzumachen und neue Wege zu gehen.

Wir haben Schulkinder mit einem Wettbewerb gebeten, «ihren» Weihnachtsstern zu malen. Es sind über 100 wunderbare Bilder zusammengekommen, 14 Bilder haben es in die engere Auswahl geschafft und eines haben wir schliesslich zum Siegesbild gekürt. Es wurde von Daria Vukčević (9) angefertigt.

Daria Vukčević (9)

Nicht, weil es schöner oder besser gezeichnet ist als die anderen, sondern wegen seiner Aussage. Es ist Nacht. Dunkel, aber nicht beängstigend. Sterne erhellen unaufdringlich und liebevoll die Szene. Der «Stern von Bethlehem» hat Platz genommen über einem schlichten Haus, das meines oder deines sein könnte. Er ist nicht über dem Stall vor 2000 Jahren stehen geblieben, sondern ist da – heute, jetzt und hier. Sein Licht reflektiert in allen anderen Gestirnen und erleuchtet auch das Haus, so dass die Grenzen zwischen innen und aussen verwischen; darum braucht das Haus gar keinen Ein- oder Ausgang. Innen leuchtet dasselbe Licht wie aussen. Jesus ist in dieses Haus eingegangen, seine Liebe erfüllt es – hier ist er präsent und lebendig. Schöner, so entschieden wir, könne man die Botschaft von Weihnachten nicht ausdrücken.

Wir bedanken uns bei allen Kindern, die am Wettbewerb teilgenommen haben und ganz besonders bei Daria Vukčević für ihr meisterhaftes Kunstwerk.

Alle eingesandten Bilder hängen in der Mischelikirche und können dort täglich ausser Montag von 8 bis 17 Uhr bestaunt werden.

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