Gründonnerstag

Leonardo da Vincis berümtes Fresko zum Gründonnerstag: Das Abendmahl
[Bildnachweis: Wikipedia]

In der letzten Ausgabe haben wir den Anfang der Heiligen Woche vor Ostern beleuchtet. Wir haben uns vergegenwärtigt, was am Palmsonntag geschah und was an diesem Tag gefeiert wird. Nun wenden wir uns dem folgenden Festtag der Heiligen Woche zu: dem Gründonnerstag. Jesus feiert nach jüdischer Sitte mit seinen Getreuen das Passahmahl. Während des Essens schockiert er seine Freunde mit der Aussage, er wisse, dass einer von ihnen ihn heute noch verraten und an die Staatsmacht ausliefern werde. Dann greift er sich ein Brot und verteilt Stücke davon an seine Freunde mit den Worten: «Das ist mein Leib, der für Euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis». Anschliessend nimmt er den Kelch und sagt: «Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für Euch vergossen wird.» (Lukas-Evangelium 22, 19-20). Nach dem Bericht im Johannes-Evangelium wäscht Jesus seinen Getreuen die Füsse als Zeichen seiner Demut und Liebe.

Nach dem Essen begeben sich alle Freunde mit Jesus in den nahe gelegenen Garten Gethsemane. Jesus sondert sich etwas ab, um zu beten. Im Wissen um seine unmittelbar bevorstehenden Qualen fleht er zu Gott: «Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht mein Wille geschehe, sondern Deiner!» (Matthäus-Evangelium 26, 39). Als er zu seinen Freunden zurückkehrt, findet er sie schlafend. Wie verzweifelt und alleingelassen muss sich Jesus in dem Moment gefühlt haben. Er durchleidet Todesangst und seine besten Freunde wissen nichts Besseres als einzuschlafen. Jesus weint – ob seiner Angst, seines Schicksals, seiner Freunde. Das hat dem Tag den Namen gegeben. Das «Grün» in «Gründonnerstag» hat nichts mit der Farbe Grün zu tun, sondern leitet sich vom alten Wort «Grienen» ab. «Muesch nit griene», sagte mein Grossvater früher zu mir und wischte mir die Tränen ab. Das baseldeutsche Wort «Grienen» heisst «Weinen». Und dieses Wort steckt in «Gründonnerstag» – Jesus weinte aus Verzweiflung.

Später am Abend wird Jesus festgenommen, geschlagen, verhöhnt und zum Tode verurteilt.

Was beim letzten Abendmahl geschah, führt uns direkt zum Kern unseres Glaubens: die Zeichen Brot und Wein, die wir seither im Gottesdienst teilen, vergegenwärtigen uns, was Jesus für uns getan hat: er ist den Weg in den Tod gegangen, um uns zu erlösen. Wer in diesem Glauben und Vertrauen das Brot isst und vom Becher trinkt, erhält Anteil am ewigen Leben, in das Jesus als erster eingegangen ist.

Ich werde dieses Jahr am Gründonnerstag grienen – weinen. Das weiss ich jetzt schon. Es ist das erste Mal, dass wir in der Heiligen Woche kein gemeinsames Abendmahl feiern können und das wiegt schwer auf der Seele. Aber ich werde mich damit trösten, dass das Abendmahl in der besonderen Zeit, die wir aktuell durchleben, auch im ganz kleinen Kreis oder alleine gefeiert werden kann. Ein Stück Brot, ein Glas Wein oder Traubensaft, ein Gebet im Glauben an Jesus und in der seelischen Verbundenheit mit allen da draussen – das ist alles, was es braucht, um zu spüren, dass Jesus da ist, uns verbindet und uns die Hoffnung gibt, die wir brauchen.

Florence Develey

Vorheriger Beitrag
Palmsonntag – Jesus geht konsequent den Weg der Versöhnung
Nächster Beitrag
Betzeitglocke

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Felix Briner
    26. März 2020 11:26

    Danke, Florence für die erklärenden und aufmunternden Worte.
    Uebrigens, falls sich jemand für die Namen der 12 Apostel auf dem Gemälde von Leonardo da Vinci interessiert:
    von links nach rechts (gemäss Cartoguida, Mailand): Bartolomäus, Jakobus der Jüngere, Andreas, Judas Ischariot, Petrus, Johannes, JESUS, Thomas, Jakobus der Aeltere, Philippus, Matthäus, Thaddäus, Simon

    Mit bestem Gruss, Felix

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü