Corona-Virus. Hochkonjunktur der Katastrophen-Szenarien.

[Bildnachweis: Florence Develey]

«Die grosse Pest wird von der Seestadt nicht weichen», prophezeite der düstere Seher Nostradamus vor fünfhundert Jahren. Wuhan, die Ursprungsstadt des Corona-Virus, wird poetisch auch als die «Stadt der Seen» bezeichnet. Jetzt gilt es Eins und Eins zusammenzuzählen und – wer einen Hang zu apokalyptischem Denken hat – wird sich sagen: Nostradamus hat nicht nur das Corona-Virus vorausgesagt, sondern auch, dass dieses nicht so schnell besiegt werden kann.

Stochert man weiter in dieser endzeitlichen Literaturgattung, wird man bei Baba Vanga fündig. Die blinde Wahrsagerin aus dem Balkan hat für das Jahr 2020 eine drastische Reduzierung der Bevölkerungszahl in Europa vorausgesagt…

Apokalyptisches Gedankengut hat immer dann Hochkonjunktur, wenn Übermächtiges oder Unberechenbares die Oberhand zu gewinnen scheint. Aus einem Ohnmachtsgefühl heraus wird die Zukunft schwarz gemalt und als Schreckensszenario entworfen.

Endzeitdenken hat auch in der jüdisch-christlichen Tradition seinen festen Platz. Besonders das biblische Buch Daniel, Stellen aus dem Buch Ezechiel und die Johannesapokalypse legen davon Zeugnis ab. Allerdings hat das Christentum in seiner Geschichte der apokalyptischen Vorstellungswelt eine entscheidende Wende gegeben: es geht nicht vorrangig um die Skizzierung einer grossen Endschlacht, aus der sich am Ende der Tage nur die «Guten» ins Himmelreich zu retten vermögen. Vielmehr wird das Hier und Jetzt so verstanden, dass in ihm bereits Spuren des angebrochenen Himmelsreiches spürbar sind. Um diese Spuren zu erkennen und zu erleben muss sich der Mensch mit seinem ganzen Leben und Wesen darauf einlassen.

Will heissen: er muss und darf vertrauen, dass Gott nicht das Ende der Welt, sondern deren Erlösung will. Gott will das Gute und das Leben. Wer in diesem Vertrauen lebt, wird sich in seinem eigenen Leben dem Guten zuwenden. Er oder sie wird aus der Grundhaltung leben, dass es gut kommt. Und wird aber im selben Atemzug sein Leben so ausrichten, dass es dem Guten förderlich ist. Und das bedeutet nicht selten, bereit zu sein, Masshaltung und Verzicht zu üben.

Aufgrund des Glaubens, dass Gott das Heil will und nicht die Vernichtung, können wir getrost endzeitlicher Panikmache den Rücken kehren. Panikmache lähmt. Und das fördert nicht das Leben. Jetzt gilt es schlicht, die nötigen Vorsichtsmassnahmen einzuhalten und vertrauensvoll weiterzumachen.

Florence Develey

PS. Das Wort «Apokalypse» wird in unserem Sprachgebrauch meist synonym gebraucht mit «Weltuntergang». Biblisch meint Apokalypse aber, dass auf die Katastrophe das Heil folgt…

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