Es ist Zeit, sich wieder einzumischen

Kirche und die grossen Themen der Zeit

Angesichts der global bewegenden Themen unserer Zeit wie Flüchtlingskrise, Klimawandel, Populismus und Digitalisierung ist die Kirche dringend gefragt. Gefragt ist eine Kirche, die in den politischen Diskurs eingreift und mitverantwortlich dazu beiträgt, Weichen zu stellen.

In den letzten Jahren wacht die Kirche – so der Eindruck – langsam wieder aus ihrem wohligen Schlummern auf. Die erschütternden Bilder und Berichte von Menschen auf der Flucht, aber auch die greifbaren meteorologischen Veränderungen haben viele Gemeinden und Kirchenleitungen dazu gebracht, nicht nur in den eigenen Hallen, sondern auch öffentlich kundzutun, wozu wir aufgerufen sind: Verantwortung zu übernehmen für diejenigen, die unseren Beistand brauchen. Dabei hat die Kirche im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise Stichworte wie «Willkommenskultur» aufgenommen und öffentlich weitergetragen; und sie hat die Grundbegriffe eines ökologischeren, tiergerechteren und energiebewussteren Einkaufsverhaltens «regional-saisonal-lokal» immer wieder in die Diskussion eingebracht und vertreten, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Hintergrund eines verantwortlich gelebten Lebens ist die ernst gemeinte Nächstenliebe, die Jesus mit dem Gleichnis des barmherzigen Samariters illustriert. Nachdem ein Mann von Räubern überfallen und niedergeschlagen worden war, kümmerte sich ein Samaritaner (also ein «Ausländer») um den Schwerverletzten, bis er wieder gesund war. Dabei hat sich der Samaritaner nicht die Frage gestellt: Ist dieser Mann mein Nächster? Gehört er «zu uns»? Sondern seine Frage war: «Wie kann ich diesem, der meine Hilfe braucht, zum Nächsten werden?» Die Herausforderung, aber auch die Chance für die Kirche, den Glauben und die Theologie liegt in diesen Tagen darin, den tragenden christlichen Grundpfeiler der Nächstenliebe laut, deutlich, konsequent und kontinuierlich in die öffentliche Diskussion einzubringen und hochzuhalten.

Florence Develey

[Bildnachweis: “Theologie kann man nur machen mit der Bibel in der einen und der Zeitung in der anderen Hand, das wusste schon Karl Barth.”, z. V. g. von Florence Develey]
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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Felix Briner
12. Januar 2019 11:42

Genau die richtigen Worte, um gehört zu werden. Der Artikel verdient eine grössere Verbreitung, z.B. in einer Tageszeitung.

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Hanno Elsässer
19. Januar 2019 0:04

Ein fälliger Weckruf in die trügerische Komfortzone! Mir kommt in dem Zusammenhang ein lesenswertes vor gut zwei Jahren im Grünewald-Verlag erschienenes Buch von Andreas Benk namens „Schöpfung- eine
Vision von Gerechtigkeit“ in den Sinn:
[…Biblische Schöpfungstexte sind Hoffnungsgedichte, Sehnsuchtsbilder und Widerstandsliteratur. Sie konfrontieren die herrschenden Verhältnisse mit einer lebensfreundlichen Utopie. Entsprechend entwirft Benk eine visionäre … Schöpfungstheologie die darauf setzt, dass eine Alternative zu globaler Ungerechtigkeit möglich ist… mit radikalen Folgen für Lebensstil, Bildung und Politik.“

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Oliver Widmer
26. Januar 2019 22:04

Danke Florence!

Und darum sollten wir alle am 2. Februar um 15:00 Uhr auf den Barfüsserplatz gehen an die NATIONALE KLIMADEMO!

Seit vielen Jahren wissen und spüren wir: Unsere Art zu leben ist nicht nachhaltig, eine Folge davon ist die KLIMAKRISE. Aber während Lösungsansätze seit Jahrzehnten existieren, unternimmt die Politik zu wenig in diese Richtung.

Deswegen sind seit Dezember tausende Schüler*innen, Student*innen und Auszubildende in der ganzen Schweiz und in anderen Ländern auf die Strasse gegangen, um ihr RECHT AUF ZUKUNFT einzufordern.

Kommt alle am nächsten Samstag auf den Barfi! Setzen wir uns am 2. Februar gemeinsam und friedlich für eine lebenswerte Zukunft für uns und unsere Kinder ein!

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